Erfahrungsbericht eines Hörgeräte-Einsteigers

Aktualisiert 19.03.2016

Motivation für diesen Erfahrungsbericht

Anhand meiner eigenen Erfahrung als frischer bzw. unerfahrener Hörgeräte-Träger möchte ich hiermit all denjenigen, die sich mit dem Gedanken plagen, ob sie sich ein Hörgerät zulegen sollen oder nicht, helfen, die Hemmschwelle gegen das "Unbekannte" abzubauen. Ggf. spart Ihnen dieser Bericht auch runde € 4000.- in der Haushaltskasse. Die Presse und insbesondere einige Fernseh-Sendungen brachten ja bereits einige kritische Berichte über die Akustiker-Preise, die sicher viele Leute eher verunsicherten und die Hemmschwelle zum Gang zum Akustiker noch höher setzten. Vorweggesagt, trotz meiner teilweise kritischen Einstellung gegenüber den Akustikern bereue ich es nicht, den Schritt zum Hörgerät gewagt zu haben.

Vorgeschichte

Schon in meinen jungen Jahren bemerkte ich eine starke Beeinträchtigung meines Hörvermögens des linken Ohres. Da ich beruflich als junger Ingenieur meist im Ausland unterwegs war, kümmerte ich mich nicht weiter darum, zumal ich mich dadurch nicht benachteiligt fühlte. Eigentlich ganz im Gegenteil: ich musste oft in Afrika in Hotels übernachten, die regelmäßig Ramba-Zamba bis nach Mitternacht veranstalteten, ich legte mich dann auf die Seite meines gesunden rechten Ohres, und schon war Ruhe. Als ich meine Tätigkeit als Busch-Ingenieur nach 12 Jahren in 1986 zum Zwecke der Familiengründung beendete, ließ ich mein linkes Ohr untersuchen, das inzwischen ziemlich taub geworden war. Diagnose: Verwachsung des Steigbügels, die per Operation bereinigt werden musste. Gesagt, getan, das Ergebnis der Operation war aber eher bescheiden: Ich konnte dann links zwar wieder etwas hören, aber mit einem miserablen Frequenzgang, d.h. ab 3 kHz war absolut Schluss. Na ja, macht nichts, dachte ich, ich kann ja rechts ganz gut hören.

Erst als ca. 60jähriger verschlechterte sich auch langsam die Hörfähigkeit des rechten Ohres. Ich nahm es nicht weiter tragisch, da es sicherlich die "normale" Altersschwerhörigkeit sei. Im normalen Leben bzw. Gesprächen bemerkte ich kein wesentlichen Einschränkungen, lediglich bei Gruppen- bzw. Konferenzgesprächen (Neudeutsch Meetings) bekam ich Einiges nicht mit. Da ich beruflich meist mit Arbeiten im Labor (Software-Entwicklung) und Entwicklung von Kommunikationskonzepten (am Rechner) beschäftigt war, nahm ich die zunehmende Beeinträchtigung auch nicht weiter ernst.

Erst nach meiner Pensionierung 2010, als 65jähriger, fasste ich den Entschluss, mein Hörproblem mal ernsthaft anzugehen. Als rüstiger Pensionär habe ich mir einige Ehrenämter eingehandelt (im Vorstand von Kirche, Amateurfunk-Club, Seniorenarbeit). Bei den Sitzungen merkte ich dann doch, dass Vieles an mir vorbei ging. Gott sei Dank gab es meist ein Protokoll, wo ich die verpassten Themen dann doch noch mitbekam. Also ging ich zum Ohrenarzt, der mit dann auch dringend zum Tragen von Hörgeräten riet.

Ohrenärztliche Verordnung einer Hörhilfe, Messprotokoll

In den oberen beiden Diagrammen ist ersichtlich, dass ich mit dem rechten Ohr bis 4 kHz noch ganz gut höre, dann sackt es aber ab. Für die Erstellung der Diagramme werden über Kopfhörer einzelne Töne mit zunehmender Lautstärke erzeugt, wobei ich dann jeweils mit Handzeichen angeben musste, ab wann ich den Ton hören konnte. Auf dem linken Ohr geht es schon ab 1 kHz in den Keller. Die Sprachverständlichkeit wird mit Lautsprechern bei einem Sollpegel von 65 dB gemessen, wobei jeweils eine Reihe von einsilbigen Wörtern gesprochen wird. Bei diesem Pegel war meine Sprachverständlichkeit rechts 32 %, links nur 10 % im Vergleich zu einem guten Gehör. Das war dann doch schon ganz schön heftig wenig.

In meinem Bekanntenkreis befragte ich zwei Hörgeräte-Träger nach Ihren Erfahrungen. Diese waren nicht so sehr begeistert, sagten aber, dass sie mit Hörgeräten schon ein bisschen besser hören, aber lange nicht so gut, wie sie sich es erhofft hatten. Dann kamen auch noch die nicht gerade schmeichelnden Berichte der Fernsehmagazine über die Preisgestaltung der Akustiker. Außerdem trugen die Hörgeräte bei meinen beiden Bekannten nicht gerade zum jugendlich-sportlichen Image bei, sie waren doch erheblich sichtbar. Somit schob ich den Gang zum Akustiker erstmal vor mich her.

Im Januar 2011 musste ich mich bei meinem neuen Hausarzt vorstellen, da mein bisheriger aus finanziellen Gründen aufgeben musste. Der neue Doktor baute letztendlich mein hohes Misstrauen gegen die Hörgeräte ab, und zwar mit folgenden Argumenten: Mit Schwerhörigkeit bekommte man das Ein oder Andere nicht mit, dass ist aber nicht das Schlimme. Schlimmer ist, dass man dadurch beginnt, sich so langsam vom Umfeld innerlich abzukapseln. Man redet sich ein, das Gehörte war vermutlich doch nicht so wichtig, was soll's. Man verliert den Mut, immer noch mal nachzufragen. Zuletzt sagt man sich, warum soll ich denn da überhaupt noch hingehen oder teilnehmen, ich kriege ja ehe nur die Hälfte mit. Mit anderen Worten: der psychologische Faktor ist bei weitem gravierender als die physische Beeinträchtigung. Aus diesm Blickpnkt hatte ich es so noch nie betrachtet, aber es leuchtete mir ein. Das erinnerte mich irgendwie an die Zeit, als ich Mitte Vierzig war, und mir erst nach langen Zögern eine Brille zulegte. Die neue Brille verhalf mir nicht nur zum besseren Lesen, sondern befreite mich auch von Unlust zu Lesen und erhöhte mein gesamtes Wohlbefinden. Also auf zum Hörgeräte-Akustiker!

Auswahl des Hörgeräte-Akustikers

Durch die Fernseh-Berichterstattung vorgewarnt, wollte ich mich erst mal im Internet schlau machen. Hier bekommt man eine ungefähre Preisvorstellung, ohne jedoch zu wissen, welches Hörgerät denn nun wirklich zu einem passt. Bei den "guten", d.h. hochpreisigen Geräten konnte man da schon einen Preisunterschied von bis zu € 400.- herausfinden, allerdings ohne Angabe der zwingend notwendigen Zusatzleistungen. Ich habe im Netz auch nur zwei Akustiker-Firmen gefunden, die konkrete Preisangaben gemacht haben. Allerdings waren die Beiden über 100 km entfernt, also kamen die nicht Frage. Also ging ich einfach zu dem nächst gelegenen Laden, der einer größeren Akustiker-Kette gehört. Die Nähe spielt insoweit eine Rolle, da man öfters den Service in Anspruch nehmen muss, bis das Gerät tatsächlich optimal eingestellt ist.

Hier wurde ich sehr kompetent beraten und noch mal genau untersucht. Bei der zweiten Sitzung hatte ich bereits ein passables Gerät (Siemens Pure 501) mit extra für meine Ohren hergestellten Passstücke, sog. Otoplastiken. Nach der dritten Sitzung hatte der Akustiker eigentlich alles optimal eingestellt, nachdem ich ihm meine Wünsche vorgebracht hatte. Es war zwar nicht perfekt, ich musste mich an den etwas blechernen Klang erst gewöhnen, aber bei den "Meetings" konnte ich ein erhebliche Verbesserung feststellen.

Es wurde danach eine vorläufige Rechnung erstellt, die mir nach der 4. Sitzung ausgehändigt wurde. Hier staunte ich nicht schlecht, obwohl ich so etwas befürchtet hatte: Es waren satte € 5600.-, wobei über € 4000.- Eigenanteil für mich dabei waren.

Kostenvoranschlag beim Hörgeräte-Akustiker 1

Den optionalen Schutzbrief kann man hier evtl. noch abziehen, da gewisse Service-Leistungen in den Service-Pauschalen enthalten sind. Ich besprach die ganze Sache noch mal meiner Frau, und überdachte meine augenblickliche finanzielle Situation. Ich hatte vor einigen Wochen mit größeren Renovierungsarbeiten begonnen, für die meine gerade flüssigen Mittel eigentlich schon verbraucht waren. Also was tun? Also noch mal eine Internet-Recherche, und fand eine andere Kette, die eigentlich eher für Brillen bekannt ist, aber neuerdings auch Hörgeräte anbietet. Na, dachte ich, fragen kost' nix, und rief mal an. Ich erfragte den Preis für das o.a. Siemens Pure 501, und erfuhr da, dass das Ganze mich bei ihm gute € 1000.- weniger kosten würde. Dieser Akustiker 2 fragte, ob es denn unbedingt dieses Pure 501 sein müsste, da es doch gleichwertige Geräte gäbe, und wo ich ggf. nur insgesamt 1200.- Eigenleistung hinblättern müsste. Das ist doch ein Angebot, dachte ich, und machte gleich einen Termin aus. Der große Nachteil hierbei war allerdings, dass dieser Akustiker 2 nicht zu Fuß zu erreichen war, sondern knappe 50 km entfernt war. Ich rechnete hin und her, Spritkosten für jede Sitzung, Zeitwand und so weiter. Zeit war für mich als Rentner eigentlich kein Argument, und für die fast € 3000.- Minderkosten würde ich sogar bis nach Südafrika fahren können. Ich machte mich dann am nächsten Tag zum Akusstiker 1 auf, und gab ihm die noch nicht gekauften Geräte zurück. Zugegebener Maßen hatte ich dabei ein bisschen ein schlechtes Gewissen, der er sich wirklich um mich bemüht hatte, aber bei dem Preisunterschied hatte ich eigentlich keine andere Wahl. Er bot mir dann zwar noch ein preiswerteres Gerät an, aber dann wollte ich nicht mehr, weil ich mich ein bisschen verarscht fühlte. Letztendlich verursachte die Entscheidung für den 50 km entfernten Akustiker 2 doch kaum Spritkosten. Im Gegenteil, es war für meine Gesundheit förderlich, da zwischen meinem Wohnort und Akustiker 2 die schönste Fahrradstrecke in der Region liegt. Aus den 2x50 km Autofahrt (je 1 Stunde) wurden 2x 38 km Fahrrad-Tour (gut je 2 Stunden) , die ich sehr genoss. Wie gesagt, ich bin Rentner, und habe unendlich viel Zeit. Im Zielort Bad Neuenahr kehre ich zu Mittag ein, und mache an Ahr und Rhein einige Male Halt, um den Fischreihern oder Schiffen zuzuzsehen. Akustiker 2 war also ein willkommener Anlass, meinen inneren Schweinehund zu überwinden und jedes mal eine längere, aber herrliche Fahrradtour in Angriff zu nehmen. Bis jetzt war mir das Wetter auch immer gut gesonnen.

Wie ging es weiter beim Hörgeräte-Akustiker 2?

Der neue Akustiker eröffnete mir gleich, dass ich hier die Auswahl von praktisch allen Hörgeräte hätte, die es überhaupt auf dem Markt gäbe. Aufgrund der vorherigen telefonischen Terminabsprache hätte er bereits ein Gerät vorbereitet, dass in der vergleichbaren Qualitätsstufe des obigen Siemens Pure 501 liegt. Das neue GN Resound Alera würde mich mit Eigenanteil insgesamt 1200.- kosten. Der Akustiker machte mit mir wieder die Messungen wie schon vorher beim Ohrenarzt und Akustiker 1, und hatte somit die entsprechen Messkurven in seinem Computer abgespeichert. Auch hier hatte ich den Eindruck von hoher Kompetenz und zuvorkommender Bedienung.

Sind die Gehörkurven einmal aufgenommen, ist es für den Computer ein Leichtes, fast jedes beliebige Hörgerät an mein individuelles Hörvermögen anzupassen. Mit dem GN Resound Alera funktionierte das sogar drahtlos, also über eine Art Funk-LAN oder Bluetooth. Das war schon sehr beeindruckend, was man heute alles in ein so kleines Gehäuse, das fast unsichtbar hinter dem Ohr verschwindet, an Technik hinein packen kann. In der beigelegten Beschreibung des Gerätes konnte ich auch nachlesen, dass man hiermit über Funk auch das Telefon oder den Fernseher direkt anschließen könnte. Nach Anpassung der beiden Geräte wurde dann noch der unvermeidliche Rückkopplungseffekt reduziert. Das klappte hervorragend, so wie auch beim Akustiker 1. Die Sitzung, so auch die folgenden, dauerte jeweils ca. 1 Stunde. Ich konnte die beiden Hörgeräte gleich anlassen, und wir vereinbarten für nächste Woche einen Folgetermin. Das Gerät wurde noch nicht mit den Otoplastiken ausgestattet, ebenso fehlt noch eine Halterung.

Auf der Fahrt mit Fahrrad zu meinem nächsten Termin bemerkte ich auf der halben Strecke, dass ich mein rechtes Hörgerät verloren hatte. Das war natürlich äußerst peinlich, wie erkläre ich das dem Akustiker? Muss ich jetzt die € 600.- selbst berappen? Bei der Ankunft beichtete ich gleich mein Unglück, und zu meiner Erleichterung wurde mir gesagt, das klären wir schon irgendwie, und zauberte ein Ersatzgerät aus der Schublade. Na ja, beim folgenden Test wurden mittels Computer noch einige Korrekturen vorgenommen, und anschließend ein neuer Hörtest mit der Sprachverständlichkeit durchgeführt. Der ergab immerhin, dass sich die Verständlichkeit von 30 % auf schöne 85% drastisch erhöhte. Das war in der Tat vergleichbar mit den €5000-Geräten von Akustiker 1. Ebenso wurde den Geräten eine fast unsichtbare Halterung verpasst, damit ich es nicht so leicht verlieren konnte.

Ich wurde darauf hingewiesen, dass, wenn mir die € 1200.- zu viel wären, dass man auch weniger kostspielige Geräte verfügbar hätte. Na ja, dachte ich, prinzipiell könnte ich mir ja die 1200.- leisten, aber als technisch Interessierter kann man ja mal ein billigeres Gerät versuchen. Ich wurde dann gefragt, welche Preisvorstellung ich denn hätte. Ich sagte dann als Hausnummer, ja so um die € 500.- für beide. Der Akustiker schaute in eine riesige Liste, und schlug vor, dass ich ein Gerät dieser Preiskategorie bei der nächsten Sitzung dann ausprobieren könnte. Dann machte ich mich mit dem Fahrrad wieder auf den Rückweg. Ich nahm genau den gleichen Weg wieder wie bei der Herfahrt, da ich inzwischen eine Idee hatte, wo ich denn das Gerät auf der Hinfahrt verloren haben könnte. Sicherlich war es inzwischen zertreten oder vom Wind in den Rhein geweht. Aber auf der Königswinterer Fähre fragte ich einfach mal beim Kassierer nach, ob vielleicht so ein Mini-Teil zufällig abgegeben wurde. Moment'e mal, sagte er, ich muss da mal in unserer Fundkiste nachschauen. Und siehe da, jemand hatte es gefunden dort abgegeben. Ich erinnerte mich, dass ich auf der Hinfahrt auf der Fähre meine Pullover ausgezogen hatte, dazu auch die Brille absetzen musste. Und dabei ging das Ding auch verloren.

Bei der 3. Sitzung wurden mir dann die €500-Dinger (2x Bernafon Inizia) verpasst und programmiert. Die verbesserten auch die Hörfähigkeit, ich hatte aber irgendwie den Eindruck, dass sie schlechter waren als die GN Resound Alera Geräte. Ich trug diese dann wieder ein Woche, und erschien dann zur 4. Sitzung. Der Akustiker sagte, er sei verpflichtet, mir auch ein kostenfreies Gerät anzubieten, also nur €10.- Zuzahlung pro Gerät. Naja, versuchen kann man es ja mal, und schon wurden mir die Billig-Dinger, GN Resound Ziga 61 verpasst. Ruckzuck waren auch diese mit dem Computer an meine Gehörkurven angepasst, weiter ging es mit einer Woche Probezeit. So arg zufrieden war ich da nicht, auch meine Frau beschwerte sich, dass sie sich öfters wiederholen müsste. Der Grund war vermutlich eine zu geringe Einstellung der Lautstärke. Das fand ich heraus, indem ich dem Fernseher mal mit, mal ohne Hörgeräte zuhörte. Ich konnte da kaum einen Lautstärke-Unterschied feststellen, obwohl die Sprachverständlichkeit mit den Geräten aber auf jeden Fall besser war.

Auf zur 5. Sitzung eine Woche später. Hier bat ich den Akustiker, die Lautsärke auf Programm 1 erheblich anzuheben, Programm 2 so belassen, wie es ist (Anmerkung: alle getesteten Gerät können mit mehreren Programmen geladen werden, z.B. Anpassung an laute/leise Umgebung, die dann durch Knopdruck umgeschaltet werden können). Außerdem bat ich um eine Otoplastik, da der bestehende Einsatz (sog. Tulpe) mir Juckreize im Gehörgang verusachte, und ich mir von der Otoplastik auch einen besseren Sitz versprach und somit das Verlier-Risiko minimiert wird. Er nahm mit einer Formmasse einen Abdruck von meinem Gehörgang, der dann vermutlich einer anderen Spezialfirma zugeschickt wurde, die dann die Otoplastik erst anfertigen musste.

Auf der 6. und vorläufig letzten Sitzung bekam ich dann die fertigen Otoplastiken, anschließend hiermit noch mal eine erneute Einstellung der Rückkopplungs-Minimierung. Der anschließende Hörtest ergab dann auch eine erhebliche Verbesserung der Sprachverständlichkeit, also 85% wie bei den teueren Geräten.

Messprotokoll von Akustiker 2

Was will man mehr? Mir reichte es, mir ging es im Prinzip nur um eine bessere Sprachverständlichkeit bei den Gruppen/Meetings, und irgendwelchen zusätzlichen Schnickschnack mit Induktionsschleife, Telefonanschluss und Funkübertragung brauche ich vorerst nicht. Dann vereinbarten wir den Kauf des Gerätes, der Akustiker erstellte eine detaillierte Rechnung, und ich blätterte die schlappen €20.- für beide Geräte als Zuzahlung hin. Ich konnte es immer noch nicht richtig fassen, von ursprünglich stolzen €4000.- auf bloße € 20.- "heruntergetestet". Der Akustiker 2 übergab mir dann noch zum Abschluss ein großes "Service-Päckchen", das nicht nur Batterien für 1 Jahr enthielt, sondern auch eine Trockenbox für die Nachtlagerung sowie verschiedene Reinigungsmittel. Hier muss man anerkennend sagen, dass dieses Päckchen sowie die Otoplastiken bei Akustiker 1 zusätzlich berechnet worden wären.

Rechnung von Akkustiker 2

Als letzte Aktion musste ich die Nutzbarkeit der Geräte noch einmal vom Ohrenarzt bestätigen lassen, damit die Krankenkasse den Akustiker auch bezahlt. Eine Arzthelferin führte die Tests durch, mit dem Ergebnis, dass ich plötzlich die gleiche Sprachverständlichkeit mit und ohne Hörgeräte hatte. Der Grund hierfür war vermutlich, dass die MTA die Lautsprecher voll Pulle aufgedreht hatte, anstatt den Sollpegel von 65 dB eingestellt zu haben. Als Dipl.-Ing. der Nachrichtentechnik und erfahrener Funkamateur wies ich das gute Mädchen darauf hin, sie konnte den Arzt aber nicht auftreiben, um die Geräte richtig einzustellen zu lassen. Ich überzeugte sie schließlich, dass sie mir das Freigabe-Papier trotzdem geben könnte, da ich ja tatsächlich mit den Hörgeräten zufrieden bin.

Die neuen Hörgeräte in der Praxis

Wie die o.a. Messergebnisse eindeutig belegen, wurde die theoretische Sprachverständlichkeit durch die Hörgeräte erheblich verbessert. Aber wie bewährten sich die Hörgeräte in der Praxis? Wie kann ich die Verbesserung zu Hause messen? Kann ich jetzt tatsächlich alles besser verstehen?

Ein einfacher Test lässt sich mit dem Fernseher machen. Mit den Hörgeräten regelte ich die Lautstärke des Fernsehers soweit herunter, dass ich die Sprache gerade noch einwandfrei verstehen konnte. Dann nahm ich die Hörgeräte heraus, und verglich die Verständlichkeit. In der Tat konnte ich dann nur noch Bruchteile verstehen. Allerdings ist das kein echtes k.o.-Kriterium, man könnte ja die Lautstärke des Fernehers wieder heraufdrehen. Also für den Fernseher bräuchte ich die Hörgeräte eigentlich nicht, obwohl sich meine Familie nun freut, dass die Lautstärke jetzt wieder von "schwerhörig" auf "normal" heruntergedreht werden kann.

Das eigentliche "k.o.-Kriterium" war eigentlich die bessere Sprachverständlichkeit bei den Sitzungen meiner verschiedenen Ehrenämter und Vereinstreffen. Anfänglich hatte ich tatsächlich Zweifel, ob sich hier die Situation erheblich verbessert hat, da ich in manchen Situationen einige Leise-Sprecher immer noch nicht richtig verstehen konnte. Aber wie finde ich das heraus? Dann machte ich den gleichen Test wie mit dem Fernsehen, ich nahm während der Sitzungen die Hörgeräte mal für einige Minuten heraus und verglich die Verständlichkeit. Und hier konnte ich in der Tat eine frappante Verbesserung der Verständlichkeit feststellen. Ohne Hörgeräte konnte ich nur die wenigen ganz lauten Sprecher bzw. meine Sitznachbarn verstehen, der Rest ging unter. Also bin ich eigentlich mit meinen Billig-Geräten sehr zufrieden. Ich sehe ein, dass ich damit kein perfektes Hören erlangt habe, aber eine erhebliche Verbesserung.

Mit dem besseren Hören verbesserte sich auch mein allgemeines Befinden. Mit Freude konnte ich feststellen, dass ich jetzt den Vogelgesang richtig wahrnehmen kann. Vorher vermutete ich, dass in meinem großen Garten eigentlich zu wenige Vögel sind, vermutlich weil meine halbwilde Katze da kräftig wildert. Ich hörte die Vogelstimmen einfach nicht. Jetzt kann ich stundenlang auf der Terrasse sitzen, nur um das muntere Vogelgezwitscher zu hören. In der Tat bin ich irgendwie jetzt wieder mehr "dabei", ich nehme meine Umwelt positiver war. Da musste ich meinem neuen Hausarzt tatsächlich recht geben, als er mich auf das verbesserte allgemeine Wohlbefinden mit Hörgeräten hinwies.

Anfänglich erschien mir der Klang mit dem Hörgeräten etwas blechern bzw. unnatürlich. Das ist vermutlich aber nur ein subjektives Empfinden, da jetzt auch die höheren Töne hörbar sind, und somit ein völlig anderes, noch ungewohntes Klangbild vorherrscht. Das Ohr braucht hier einige Wochen Training, bis es sich an das neue Klangbild gewohnt hat. Der Akustiker rät hier zu Recht, das Hörgerät wegen des Lerneffekts eigentlich immer zu tragen, ausgenommen während der Nachtruhe.

Der Tragekomfort der beiden Geräte ist gut. Sie machen sich so gut wie nicht bemerkbar und sind nicht lästig. Die kleineren Tulpeneinsätze, die ich vorher getestet hatte, erzeugten teilweise einen leichten Juckreiz, während dieses bei den Otoplastiken überhaupt nicht auftritt. Hier muss einschränkend gesagt werden, dass die Otoplastiken bei Akustiker 1 besser saßen. Die Otoplastiken von Akustiker 2 rutschen teilweise heraus, wobei das Hörgerät sich nur durch den Schlauch noch am Ohr hält. Einmal beim Beerenpflücken verlor ich sogar das rechte Gerät, vermutlich weil ich einen Zweig mit dem rechten Ohr streifte. Ich bemerkte es nicht sofort, aber konnte das Gerät nach einiger Zeit wieder finden, da ich mich nur auf wenigen Quadratmetern inzwischen bewegte. Aber die Sache musste ich doch mit einem erheblichen Schreck und 15 min Suchen mit Graßbüschel-Herausreißen bezahlen. Inzwischen habe ich auch herausgefunden, wenn ich die Brille zwischen Hörgerät und Ohr, also außen, aufsetze, ist es mit dem Herausrutschen weniger kritisch. Beim normalen "Brillen-Aufsetzen" klemmen sich die Bügel normalerweise zwischen Kopf und Hörgerät, so dass letztere außen liegen. Aber bei der Nachuntersuchung nach 6 Wochen wurde das Prolem auch gelöst: die Otoplastik wurde mit einem vermutlich raueren Speziallack eingepinselt, und seitdem sitzt das Ding ordentlich.

Nachtrag 1 Jahr später nach der ersten Sitzung:
Diese Woche ist es nun 1 Jahr her seit dem ersten Anpassen, und ich war diese Woche beim Akustiker 2 zur fälligen Inspektion. Hier wurde ein erneuter Gehörtest (ohne Geräte) durchgeführt mit dem Ergebnis, dass sich mein natürliches Gehör geringfügig verbessert hat. Eigentlich hatte ich das Gegenteil erwartet, da man ja schließlich ein Jahr älter geworden ist. Akustiker 2 erklärte mir das und meinte, dass durch das Tragen der Hörgeräte bestimmte Reize im Ohr entstehen, die die Haarzellen im Innenohr (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Ohr) teilweise regenerien. Da beim Hörtest festgestellt wurde, dass die Gehörkurve nur sehr geringfügig anders verlief als vor einem Jahr, wurde das Gerät nicht neu eingestellt.
Vor einigen Monaten verlor ich das rechte Hörgerät, konnte es aber am nächsten Tag auf einem Gehweg wiederfinden. Mindestens 1 mal wurde auf das Gerät getreten, und die Otoplastik wurde dabei in viel Splitter "zerlegt", während das Hörgerät selbst und die inner Elektronik das Getrampel unbeschadet überstand. Bei meiner nächsten Sitzung beim Akkustiker B hatte ich die Wahl, mir (vermutlich kostenlos bzw. von der Krankenkasse erstattet) eine neue Otoplastik anfertigen zu lassen, aber ich entschied mich für die einfachen Tulpeneinsätze auf beiden Ohren. Das funktionierte ganz gut, aber der Rückkopplungseffekt nahm doch erheblich zu, zumindest wenn ich meine warme Winterjacke mit hohen Kragen trug, oder bei bestimmten Stellungen im Fernsehsessel. Bei dieser 1. Jahresinspektion teile ich das dem Akustiker 2 mit, und er empfahl mir eine ganz neuartige Doppeltulpe, die es in 2 verschiedenen Größen gibt. Und siehe da, die Doppeltulpe brachte 3 erhebliche Verbesserungen: 1. Der Rückkopplungseffekt war total verschwunden, ist sogar noch effektiver als bei den aufwändigeren Otoplastiken, 2. die Hörgeräte sitzen jetzt sehr gut und wandern nicht von selbst nach außen, 3. die Lautstärke wurde als stärker empfunden, sodass ich mit dem 2. Programm bzw. Kanal auskomme, der die Lautstärke um 6 dB dämpft.
Allerdings habe ich die größere Tulpe für die tolle Verbesserung nehmen müssen, da bei der kleineren Doppeltulpe der Rückkoplungseffekt auch stark bemerkbar war. Verglichen mit der kleinen Tulpe saß die große vermutlich besser, d.h. sie schloss den Gehörgang dichter ab.
Am Ende dieser doch erfolgreichen Sitzung drückte Akkustiker 2 mir ein ein große Packung Batterien in die Hand, sowie Reinigungstücher und 4 Ersatzschläuche, und das alles kostenfrei. Den Service lasse ich mir gefallen! Was mir nicht gefiel, war das Wetter an diesem Tag. Ich konnte bis jetzt immer mit dem Fahrrad fahren und das schöne Rhein- und Ahrtal genießen, aber aufgrund des Aprilwetters seit Jahresbeginn musste ich widerwillig das Auto nehmen.
Die neue Doppeltulpe, sowie die vorherige Einzeltulpe, verursachten anfangs einen geringfügigen Juckreiz, der sich aber nach einigen Stunden Tragen immer geringer wurde. Vielleicht erzeugen die neuen Tulpen bzw. der Kunsstoff irgendwelche Ausdünstungen, die sich dann aber verlieren.
Weiterer Nachtrag 18 Monate nach erster Sitzung: Die Doppeltulpe war für das linke Hörgerät, das ja einen recht hohen Verstärkungsgrad haben muss, doch nicht so gut, es gab doch wieder Rückkopplungseffekte. Der Akustiker 2 verpasste mir da wieder eine Otoplastik, die diesmal hervorragend saß. Er nahm meine Beanstandungen für die ersten Otoplastiken wohl ernst, welche m.E. viel zu groß geraten waren und deswegen immer heraus rutschten.

 

Preisgestaltung für die Hörgeräte

In den Fernsehmagazinen wurde behauptet, dass der tatsächliche Herstellerpreis von Hörgeräten so zwischen € 35.- und € 75 betragen sollte. Das klingt plausibel, da hier zwar erheblich Entwicklungskosten aufgebracht wurden, aber die Geräte dann in Massenproduktion billig hergestellt werden können. Für welchen Preis die Geräte an die Hörgeräte-Akustiker weiterverkauft werden, ist mir nicht bekannt. Warum werden die Geräte dann von den Hörgeräte-Akustikern zwischen € 400 und € 3000.- verkauft? Der Grund sind sicherlich hier die unvermeintlichen mehrfachen Sitzungen, die notwendig sind, um die Geräte optimal an den jeweiligen Kunden anzupassen. In meinem Fall waren es bzw. werden es 6 Sitzungen, wobei der Akustiker jeweils ca. 1 Stunde aufbringen muss. Rechnet man mit einer Meisterstunde mit € 70.- einsschließlich Messaufwand und Ladenmiete, wären das auch schon € 420.- alleine. Mit meinen 6 Sitzungen ist der gute Mann vermutlich nicht voll auf seine Kosten gekommen, hat zumindest kein Riesen-Profit gemacht. Er bekommt ja noch ein Service-Pauschale von der Krankenkasse für beide Geräte, und mit der könnte es in meinem Fall ggf. auch gerade kostendeckend sein. Innerlich hatte ich da einen Anflug von schlechtem Gewissen, und hätte ihn für seine Mühe vielleicht noch freiwillig€ 200 draufgezahlt, da ich ja sehr zufrieden war..

Die hohen Preise bei den "High-End"-Geräten liegen sicherlich nicht an den kaum höheren Herstellerpreisen. Ich kann ich mir das nur so erklären, dass diese Geräte mehr Schnickschnack bieten, und für den Schnickschnack der Service-Aufwand entsprechend höher ist. In meinem Falle kann ich aber darauf verzichten, und bin zufrieden mit meinem Gerät ohne Schnickschnack.

Ich nehme mal an, dass die grundsätzlichen Eigenschaften aller Geräteklassen gar nicht so unterschiedlich sein können. Sie arbeiten alle nach dem Prinzip der Aufteilung des Gehör-Frequenzspektrum in einzelne Kanäle, wobei je nach Gehörschädigung der Pegel bestimmter Frequenzbereich mehr oder weniger angehoben wird. Sicherlich gibt es hier noch Möglichkeiten für eine bessere Richtungswahrnehmung, Rückkoplungs-Unterdrückung, Anzahl der verschiedene Programmierungen sowie Frequenzkanäle, Lautsprecher-Qualität (Klirrfaktor) sowie Unterdrückung von Störgeräuschen. Aber braucht man das wirklich? Derzeit brauche ich es nicht, aber in 6 Jahren kann ich mir ja ein neues Gerät verpassen lassen. Und da ich bis dann eine Menge über Hörgeräte gelernt haben werde, kann ich mir schon vorstellen, 1000.- bis 2000.- Euro Eigenleistung dazu zu legen, um ein bisschen mehr Komfort zu haben.
Es muss hier allerdings auch erwähnt werden, dass das Billigerät für meine Gehörkuven gut angepasst werden konnte, aber vermutlich nicht für jedermann passen muss. Viele andere Kunden haben ggf. komplexere Gehörschäden, die dann eben nur durch höherwertige Geräte kompensiert werden können.
Nachtrag 12/2012: Der "Deutsche Zukunfspreis 2012" ging an einige Hörgeräte-Entwickler. Ihre Hörgeräte kommunizieren über Funk miteinander und passen sich "online" laufend aneinander an. Hiermit kann eine bessere Richtwirkung sowie natürlicherer Raumklang bewirkt werden. Das war mich als Elektronik-Ingenieur hoch interessant, und will da gar nicht ausschließen, in ein paar Jahren mal tiefer in die Tasche zu greifen und das mal auszuprobieren. Weitere Infos hierzu:
http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Berichte/DE/Joachim-Gauck/2012/11/121128-Deutscher-Zukunftspreis.html

 

Meine Empfehlung für zukünftige Hörgeräte-Nutzer, Vorgehensweise

  1. Untersuchung beim Ohrenarzt
  2. mit der vom Arzt ausgestellten "Ohrenärztlichen Verordnung einer Hörhilfe" zu einem Akustiker in Ihrer Nähe aufsuchen
  3. dem Akustiker gleich mitteilen, dass Sie zuerst ein Kassengerät testen möchten, möglichst gleich mit Nennung eines bestimmten Herstellers
    (das Gerät hat er vermutlich nicht selbst auf Lager, kann es aber innerhalb weniger Tage besorgen)
  4. wenn der Akustiker das nicht will bzw. behauptet, er führe keine Kassengeräte, dann den Akustiker wechseln
  5. dann erst den Hörtest beim Akustiker durchführen (Sitzung 1, das spart Zeitaufwand für beide Seiten)
  6. eine Woche Probetragen, bei der nächsten Sitzung (Sitzung 2) die Verbesserungswünsche vortragen, mit der Bitte um Korrektur. Hier noch keine teuere Variante aufschwatzen lassen
  7. eine Woche Probetragen, dabei viele Tests zu Hause und bei Besprechungen durchführen (wie, siehe oben)
  8. vermutlich wird der Akustiker Ihnen bei Sitzung 3 dann eine höherpreisige Alternative vorschlagen, die Sie dann auch als Probe annehmen sollten.
  9. eine Woche Probetragen mit dem teureren Gerät, hier auch die o.a. Tests in der Praxis durchführen
  10. dann entscheiden, ob das teurere Gerät wirklich viel besser ist als das Kassengerät ist, und bei Sitzung 4 dem Akustiker den Kauf klarmachen
  11. Beim Ohrenarzt die Tauglichkeit der Geräte bestätigen lassen, damit der Akustiker auch sein Geld bekommt

Zusammenfasssung

  • Wer bei sich eine Beeinträchtigung der Hörfähigkeit vermutet, sollte gleich zum Ohrenarzt gehen, der dann voraussichtlich die Anschaffung eines Hörgerätes empfiehlt
  • durch Hörgeräte wird nicht nur das Hörvermögen und Sprachverständigung verbessert, sondern auch das allgemeine Wohlbefinden. Man nimmt Dinge war, die einem vorher gar nicht bewusst waren, z.B. Vogelgezwitscher.
  • die Hörgeräte haben ggf. Herstellerkosten zwischen nur €35.- und €75.-, trotzdem werden sie vom Akustiker von 400.- bis 3000.- an den Mann gebracht. Die verschiedenen Preisklassen unterscheiden sich vermutlich nicht so sehr in den Basisfunktionen, sondern mehr um zusätzliche Komfort-Funktionen, die von vielen Kunden aber nicht unbedingt benötigt werden. Der Unterschied zwischen Hersteller- und Akustikerpreisen ist dadurch zu erklären, dass der Akustiker erheblichen Serviceaufwand zu leisten hat, der in den Gerätepreisen enthalten ist. Bei Kassengeräten ist die Verdienstspanne für den Akustiker aufgrund des Service-Aufwandes relativ gering.
  • der Akustiker soll aufgefordert werden, zuerst ein Kassengerät anzubieten. Kann oder will er das nicht, dann den Akustiker wechseln.
  • Vorteilhaft ist natürlich ein Akustiker in Ihrer Nähe, da sie zumindest die ersten Wochen öfters zum Service müssen. Vielleicht haben sie eine Wahl zwischen Wohnort- oder Arbeitsplatznähe.
  • Testen Sie die Probe-Hörgeräte intensiv zu Hause, bei der Arbeit und bei Besprechungen , z.B. die Geräte für einige Minuten herausnehmen, dann zum Vergleich wieder einsetzen
  • Erwarten Sie keine Wunder von dem neuen Hörgerät, Sie werden immer mit Einschränkungen leben müssen. Beim Anschaffen einer neuen Brille kann man ggf. dann besser sehen als ein Normal-Sichtiger. Diese Verbesserung werden Sie bei einem neuen Hörgerät nie erreichen können, da der Hörmechanismus bei weiterm komplexer ist als die blosse Korrektur einer Linse. Hörgeräte, die bei jeder verschiedenen Schallsituation sich auf das individuelle Hörempfinden automatisch einstellen, kann es nicht geben (trotz entsprechender Werbung!), ein gesundes Ohr in Zusammenspiel dem Gehirn ist nun mal unübertroffen. Trotzdem bin ich zufrieden, da sich meine Situation insbesondere bei Gruppengesprächen erheblich verbessert hat.

Ich hoffe, mit diesem Erfahrungsbericht dem ein oder anderen potentiellen Hörgeräte-Nutzer einige nützliche Tipps gegeben zu haben.

Karl

bei Fragen: KarlchensHoergeraet@online.de

 

Nachtrag 19.3.2016
Ich habe immer noch seit fast 5 Jahre mein ursprüngliches Kassen-Hörgerät Zyga 61 GN. Seit weniger 1 Jahr hat meine neue Akkustikerin neue Software bekommen, und da bin ich sehr zufrieden. Da ich inzwischen mit eine neuen Filiale nach Siegburg umgezogen bin, hat die Akustikerin auch gewechselt.
Meiner Akustikerin habe ich vorher erklärt, dass mein Gehör manchmal nicht zufrieden war. Ich habe mal experimentiert und habe mal mit meiner Ohrmuschel etwas nach vorne gedrückt, und dann hörte ich auch viel besser. Genauso wie vor 100 Jahren, wo der Opa immer mit mit den Ohrschschalen mit den Händen gedrückt hatte. Meine Akustikerin hat mich verstanden, und hatte dann meine Ohrmuschel sozusagen elektronisch nachgebildet. Und siehe da: mein Gehör war fast glasklar! Wie gesagt, immer mit dem alten Gerät, aber mit neuer Software.

Bei Hall habe ich immer noch Probleme, ebenso wenn viele Leute gleichzeitig sprechen. Wenn man das Gerät mit 6 dB mit der Einstellung (2. Programm) dämpft, sind die Umwelt-Geräusche besser, allerdings hört man weiniger. Wie gesagt, bin ich mit meiner Sprach-Optimierung gut gefahren, also weniger Musik-Optimierung.

Das Zwitschern der Vögel höre ich inzwischen. Vor 5 Jahren, also ohne Hörgerät, konnte ich früher überhaupt keine Vögel hören. Leider höre ich die Vögeln nur immer rechts hinten, egal welche Richtung. Wenn ich meinen Kopf rechts drehe, dann werden trotzdem nur die Stimmen bei rechts hinten gehört. Das ist schade. Bei anderen Stimmen mit Sprecher, Straßenlärm, Familie etc. funktioniert das ganz gut. Die Richtung bei Vogelzwitschern ist völlig falsch. Vermutliche Ursache ist, daß mein Freqzenzgang beim linken Ohr ab 1000 Hz bei -65 dB und herunter absackt, da ist Hopfen und Malz verloren. Ich hoffe auf nächstes Jahr, dann gibt es ein neues Gerät nach 6 Jahren mit eine neuen Hörgeräte-Generation. Mal sehen.

 

Nachtrag am 27.12.13:
Ich bekomme für den o.a. Bericht eine Menge Zuschriften, meist eine Art Dankesbrief, da die Leser meine Ausführungen recht hilfreich fanden. Ich muss an dieser Stelle aber noch einmal betonen, dass dieser Bericht nur aus meiner persönlicher Sicht als Laie verfasst wurde, und meine Tipps ggf. nicht das Richtige für jedermann sind. Im folgenden stelle ich einie Zuschriften

Eine der Zuschriften war von einem Profi, sprich Hörakustikerin, die die Angelegenheit aus ihrer Sicht berichtet. Ihre Ausführungen fand ich interessant und klangen größtenteils plausibel. Um meinem Bericht ein etwas seriöseren und neutralen Touch zu geben, habe ich ihre Mail mit ihrer Zustimmung hier angehängt:

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Hallo Karl,

Ich habe vorhin durch Zufall Ihren Bericht entdeckt.
Ich finde es immer interessant, was manche Menschen meinen anderen Mitteilen zu müssen. Es ist nur schade wenn vieles durch Unwissenheit in einem schlechteren Licht da steht,
als es eigentlich ist.

Ein paar kleine Anmerkungen zu Ihrem Text:

Sie haben mit Ihrem 1 Akustiker warscheinlich ein schwarzes Schaf erwischt.
Normalerweise spricht man vorher mit dem Kunden seine wünsche und Preisvorstellungen ab.
Mich wundert es dann aber doch das Sie nicht nach dem Preis gefragt haben, als Sie die Hörgeräte zum testen mitbekamen.

Üblich ist es das 3 verschiedene Hörgeräte getestet werden, zu Hause in gewohnter Umgebung, und länger als je 1 Woche.
Da es bei so langer Hörentwöhnung wie bei Ihnen schon mind 1 Monat dauert bis sie sich an die Geräusche und den Klang gewöhnt haben,
und Sie erst danach die Geräte miteinander vergleichen können.

Zu den Preisen kann Ich Ihnen sagen das es durchaus seine Gründe hat, warum diese nicht im Internet veröffentlicht werden.
Die Wahl des Akustikers sollte hauptsächlich danach ausgesucht werden wie man sich aufgehoben und Beraten fühlt. Da man ja während der Anpassung viel Zeit miteinander verbringt,
und nicht über den Preis. Zudem gibt es unterschiede was im Preis enthalten ist, Zubehör, Otoplastik... leider gucken die meisten nur auf den Preis, und nicht was er beinhaltet.

Ich habe Ihnen mal eine Aufstellung angehangen in der Sie sehen woraus sich der Preis bei uns zusammen setzte.

Die Einkaufspreise liegen um ein wesenltiches höher als Sie vermuten.
Diese fangen bei ca. 120€ an und können bis 1600 € gehen, jeder Akustiker hat je nach Abnahmemenge oder Einkaufsgemeinschaft leicht andere Preise.
Die Unterschiede der Geräte sind wesentlich!
Die Kassen zahlen zwischen 360,- und 420 Euro, für das 2 Gerät je 30% weniger.

Bei Kassengeräten haben Sie 2 Kanäle, bei High End Geräten bis zu 16 Kanäle, dadurch natürlich bessere Anpassung, besserer Klang, und die zusätzlichen Funktionen wie Rückkopplungsunterdrückung, Richtmikrofon, Spracherkennung, Windgeräuschreduzierung ... funktionieren wesentlich besser. Mehrmikrofontechnik, Hörer die einen größeren Übertragungsbereich haben, Rückopplungsunterdrückung durch erkennen des Signals und Auslöschung sind halt teurer.
Es geht immer darum das maximale Sprechverstehen zu bekommen, vor allem in lauter Umgebung. Das kann ein Kassengerät nicht leisten. Es macht daher wenig Sinn die Geräte in Ruhe zu vergleichen, und schon gar nicht beim TV gucken.
Da Hörgeräte eh nicht die optimalen Hilfsmittel zum TV gucken sind. Alleine Aufgrund der Entfernung der Lautsprecher zum Mikro des Hörgerätes.
Die Unterschiede machen sich in lauter Umgebung und bei mehreren Sprechern bemerkbar.

Das wichtigste ist aber: Hörgeräte müssen immer, sprich jeden tag getragen werden. Sonst stellt sich kein Erfolg ein!

Hörgeräte, die bei jeder verschiedenen Schallsituation sich auf das individuelle Hörempfinden automatisch einstellen, kann es nicht geben (trotz entsprechender Werbung!
Doch, das gibt es!

Ansonsten haben Sie gar nicht mal so unrecht, nur mit dem Verkauf von Kassengeräten würde jeder Pleite gehen.
Mit der Servicepauschale sind alle Dienstleistunge für 6 Jahre abgegolten. Egal wie oft Sie kommen.
Jeder Hörtest, Nachstellen, Austausch von Schlauchen, oder anderen Reparaturen ist damit bezahlt. Bei Hörgeräte mit Zuzahlung ist es möglich dafür einen Eigenanteil zu berechnen.
Auch bleibt der Anteil der Kasse gleich, egal wie oft Sie während der Anpassphase kommen, natürlich haben wir auch eine vor und Nachbereitung die Zeit kostet.
Ich wüsste nicht wo Sie so viel Leistung für so wenig Geld bekommen.
Es wird 1 mal gezahlt, und dann können Sie 6 Jahre lang jeden Tag kommen, ohne das mir einer dafür Geld gibt.

Schade das Sie nicht richtig aufgeklärt wurden.
Auch was den Unterschied der Techniken angeht.

Ich finde es sehr schade das vor allem im TV so viel schlechtes und vor allem schlecht recherschiertes berichtet wird.
Man sollte nicht alles glauben was da gezeigt wird.

Ansonsten ist Ihr Bericht gar nicht schlecht, vor allem Positiver als das meiste das sonst geschrieben wird.
Ich hoffe das sich die Meinung über Hörgeräte irgendwann zum Positiven ändert.

Mit freundlichen Grüßen
Inka Keller
Hörgeräteakustikmeisterin

Hier die zweite Mail, die auf meine Antwort-Mail bekam, wo ich um Genemigung für die Veröffentlichung bat:

das dürfen Sie gerne machen, denn mir ist sehr daran gelegen das die Berichte die es gibt, auch das wiedergeben wie es wirklich ist.
Und wenn man auf jemand herrumhacken müsste, dann auf den Krankenkassen und nicht den Akustikern!
Die machen Verträge in denen wir uns zu noch mehr Leistung verpfichten sollen, und die Hörgeräte jetzt bald auch als Kassengeräte eine Spracherkennung und ein Richtmikrofon haben sollen, und kürzen dazu die Festbeträge.
Das kann nicht funktionieren. Aber darüber berichtet das TV nicht.
Der Bundesgerichtshof hat 2009 festgelegt das Schwerhörige einen Anspruch auf mehr Technik ( Richtmikrofon, Spracherkennung ) haben, das wollen die Kassen gerne auf uns abwälzen.
Momentan befinden wir uns in einer Schwebesituation, die Verträge wurden von der Bundesinnung der Akustiker gekündigt, und die Kassen wollen sich nicht eingen, daher wurden die alten Verträge vorerst verlängert, bis es eine Einigung gibt, ursprünglich sollte das der 1.Jan 2013 sein, bisher habe Ich nichts gehört.
Die Kassen halten alle hin.
Und statt sich um neue für alle beteiligten wirtschaftliche Verträge zu bemühen schließen Sie welche mit HNO Ärzten ab. Die dürfen dann Hörgeräte verkaufen, obwohl Sie keine Ahnung davon haben.
Wo bei uns immer Meisterpräsenz Pflicht ist, dürfen die Ärzte das einfach so machen.
Kein wunder das viele Versorgte unzufrieden sind.
Mit feundlichen Grüßen
Inka Keller

"Ende der Mail

Hier noch eine Mail mit den sehr interessanten Erfahrungen eines anderen "Kunden":


Hallo Karl,

Meine Schwiegertochter hat mich auf Ihren Artikel aufmerksam gemacht -- mit dem Erfolg, daß ich doch zu einem Hörgeräteakustiker (HGA) gegangen bin. (In der nahegelegenen Kleinstadt gibt nur 1 renommierten, da war die Auswahl leicht.) Vorher HNO, klar.

Mein Hördefizit ist eine Hochtonschwerhörigkeit links, daher haben sich HNO und HGA auf eine "offene Versorgung" geeinigt: Ich höre die tiefen Töne normal durch einen schalldurchlässigen Einsatz im Ohr, und nur die hohen Töne werden verstärkt. Dadurch kann ich kein Null-Euro-Aufzahlungsgerät nehmen, da diese "kostenlosen" Geräte alles gleichmäßig verstärken. Die Zuzahlung zum Kassentarif beträgt 226,-, das hält sich im vertretbaren Rahmen.

1., 2. Woche: gewöhnungsbedürftig. Lohnt sich der Aufwand???
3., 4. Woche: In den Extremsituationen, in denen ich Probleme hatte (Gespräche führen bei vielen Leuten und viel Lärm im Raum), ist das HG immer noch zu wenig. HGA: "Geduld!" Mir geht es nicht schnell genug. HGA hebt die Verstärkung an: ist mir zuviel Lärm, wieder zurücksetzen auf voriges Maß.
(Erklärung dazu: Die Verstärkung des HG wird schrittweise auf das Soll-Maß angehoben, da das Gehirn erst wieder lernen muß, Gewünschtes von unnötigem Lärm zu unterscheiden: es kommen ja durch das HG neue, vergessene Schallempfindungen auf das Gehirn zur Verarbeitung.) 5., 6. Woche: es wird! Austausch des Verbindungsstückes HG - Ohr gegen ein etwas längeres: Tragekomfort deutlich besser, jetzt gut bis sehr gut. Auch die Windgeräusche (Radfahren) sind ganz wesentlich weniger, das HG ist offensichtlich durch die paar Millimeter jetzt im Windschatten.
7. Woche: Ich lasse das HG programmieren: 1. Programm: Verstärkung des von rundherum auftreffenden Schalls mit Gewichtung des von vorne eintreffenden, das ist das normale Programm; 2. Programm: Verstärkung nur des von vorne auftreffenden Schalls, verwende ich in den vorhin geschilderten Extremsituationen (im Wirtshaus: ich will mit meinem Gegenüber reden und nicht unbedingt mithören, was der Nachbar mit seinem Gesprächspartner redet) 8. Woche: Anheben der Verstärkung. Das halte ich jetzt aus. Hörtest:
"Sprachverständigung mit Hintergrundgeräuschen" ist von 55% auf 85% angewachsen!! 95% sollen es schlußendlich werden. (Das ist ein Test, den nur der HGA durchführt, nicht der HNO; ein Test, der, wie ich meine, die Realität am besten widerspiegelt: Viel zuviele Leute in einem viel zu kleinen Raum und alle reden zugleich: Theaterfoyer, Vernissage, Wirtshaus, ...) 9. Woche: Ich bin soweit zufrieden: Die Hörqualität ist auch subjektiv
gestiegen: habe ich erst dieser Tage bei div. Weihnachtsfeiern "erhört".
Die letzten 10% "Sprachverständigung mit Hintergrundgeräuschen" werden auch noch kommen...

Mein Tinnitus hat sich übrigens nicht verändert; an den hab ich mich so ziemlich gewöhnt, der stört mich manchmal nicht, manchmal ist er lästig.... Aber man könnte, wenn es denn erforderlich wäre, auch hier etwas machen.

Bislang habe ich noch nichts gezahlt. Der HGA hat erst jetzt den Antrag an die Kasse gestellt, immer noch ohne Kaufverpflichtung für mich. Ich könnte also immer noch aussteigen. Aber das HG ist eine Hilfe beim Dazuge"hören"!
Lieber Karl, Ihr Artikel hat mir sehr geholfen, meine Schwellenangst zu überwinden. Danke!!!
Und wenn meine Zeilen ebenfalls dazu beitragen, daß andere Betroffene rechtzeitig zum HGA gehen, so wird es mich freuen.

Schöne Grüße an alle mit Hörproblemen, und Kraft und Mut für die erforderlichen Schritte!
Thomas 114

Ende der Mail